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Thomas Motter - "Der Weltraum, unendliche Weiten..."

Dem Heidelberger Keyboarder und Songwriter Thomas Motter reicht die Erde nicht aus, nein, mit seinem Funkalbum Moon Base "High" will er in Raum und Zeit hinaus. Motter, der unter dem Pseudonym "t-mc" zuvor zwei Alben herausbrachte, stand der Sinn diesmal nach mittleren Besetzungen und einem knallig-souligen Input.

Thomas Motter

Für sein Album konnte er sowohl Sänger Karl Frierson aus dem Heidelberg-Mannheimer Raum wie auch US-Welt-Jazzer Bill Evans am Saxophon gewinnen. Musikalisch sind es die ganz großen Gefühle, die Motter als Thema seiner Soundlandschaften gewählt hat...

Carina Prange sprach für Jazzdimensions mit Thomas Motter

Carina: Du hattest unter dem Projektnamen "t-mc" bereits zwei Alben rausgebracht. Wie kam es für dein drittes Album zur Namensänderung in "Moon Base" – bist du Science Fiction Fan?

Thomas: Das Kürzel "t-mc" steht für "Thomas, Master of Ceremony". Ich empfand das einen coolen Projektnamen, weil ein Projekt im Gegensatz zu einer festen Band mit unterschiedlichen Musikern und Sängerinnen arbeitet. Man funktioniert als Initiator ein bisschen wie ein Katalysator für Energie. Ich fand schließlich aber, dass "t-mc" als Name doch zu sperrig ist. Allerhand Leute konnten sich das nicht merken und man fand es im Internet nicht.

Ich suchte also einen Namen mit mehr Assoziationskraft. Der sollte gut klingen und auch Möglichkeiten über Coverdesign bis hin zu T-Shirts oder Stagedesign eröffnen. Als Inspiration dienten mir die Coverartdesigns der 70er Jahre, von Herbie Hancock bis zu George Clintons Parliament- und Mothership-Connection.

Auf einer abstrakteren Ebene ist eine "Moon Base" ja ähnlich einem Bahnhof eine extraterrestrische Verbindungsstation. Und ein Treffpunkt - in diesem Fall für Musiker und Liebhaber von Funk Jazz & Soul!

Thomas Motter

Carina: Worin unterscheidet sich das neu getaufte Projekt musikalisch vom alten?

Thomas: Musikalisch war "No Return", die erste von t-mc mit der Sängerin Sherlyn Whittiker aus L.A., die für mich vielleicht persönlichste und souligste der drei CDs. Auf "Nite Angel" wurden die instrumentalen Einflüsse wichtiger, auch durch Dany Martinez an der Gitarre und Nathan Cross am Saxophon. Auch der Kreis der beteiligten Sänger erweiterte sich kontinuierlich, wie mit Lori Williams, Helen Taylor und Sydney Youngblood.

Auf "High" von Moon Base veränderte sich die Rhythmusgruppe. Am Schlagzeug saß wie bisher Ralf Gustke, am Bass waren jedoch auf den meisten Songs Larry Kimpel und Francis Hylton zu hören. Der Kreis der Solisten erweiterte sich nochmals, wobei die Mitwirkung von Bill Evans am Saxophon eine von vielen Neuigkeiten ist.

Für die Vocals stießen erstmalig Melisse Bell, LyricL, Helena Paul, Angie Brown aus England und Menoosha Susungi sowie Karl Frierson dazu – alles neue Inspirationen! Auf der technischen Seite kam Joachim Schneiss von Leiner Studios ins Team und das Mastering übernahm erstmalig Erik Zobler in den USA. Das prägte den Sound der CD nachhaltig. Beam me up Scotty, welcome on "Moon Base"!

Thomas Motter

Carina: Hast du die Musik den Sängern und Musikern auf den Leib geschrieben?

Thomas: In der Regel ist die Musik zuerst da. Ich habe eine sehr genaue Vorstellung wie das Endergebnis klingen soll und arbeite daraufhin. Dann mache ich meistens eine Pilotspur und überlege, welche Sängerin oder Sänger ideal zur Umsetzung passen könnte. Wenn der- oder diejenige dann die Idee gut findet und sich damit identifizieren kann, machen wir Co-writing.

Es kommt auch vor, dass ich schon beim Songwriting an eine Sängerin denke, wie bei dem Song "Jazz Music", für den Helena Paul ganz oben auf meiner Wunschliste stand. Hat ja dann auch geklappt. Ich suche immer den persönlichen Ausdruck von jemandem. Das ist was mich berührt. Mein Wahlspruch ist: "I don´t want you to sing the song, I want you to be the song!"

Moon Base - "High"

Carina: Wenn man gleichzeitig den Produzentenstuhl besetzt, nimmt man sich als Instrumentalist automatisch zurück? Oder schafft man sich kleine Nischen um auch mal zu Brillieren?

Thomas: Nischen zum Brillieren sind oft auch in den Interludes gegeben, als Atmo-Passagen zwischen den Songs. Um also deine Frage zu beantworten: Sowohl als auch. Ich könnte wahrscheinlich mehr eigene Solos spielen, ich finde aber oft die Solos der anderen so toll… vor allem die der Saxophonisten Bill Evans, Keith Anderson und Nathan Crosse. Ich liebe Saxophon!

Als Produzent habe ich während der gesamten Produktion das Endergebnis im Kopf. Als Instrumentalist sehe ich mich nur als Teil des Gesamtbildes. Die Umsetzung der Vorstellung von einem Song hat so gesehen immer Vorrang. Klar spiele ich oft auch Solos - im Moment habe ich viel Spaß an meinem Mini Moog "Voyager". Ich mache aber auch alle anderen Keys, Strings, Pads, Monolines und so weiter.

Carina: Okay, aber was passiert,wenn man dir alles wegnimmt, bis auf, sagen wir Fender Rhodes? Kämst du klar - oder möchtest du nicht gern auf Synthies, Sampling und Sounds auf Knopfdruck verzichten?

Thomas: Es gibt überall klasse Instrumente und Synthies, die unterschiedliche Zwecke erfüllen, aber wenn Du mir entweder mein Rhodes oder meinen Motif wegnehmen willst, behalte ich das Rhodes. Ich liebe das Rhodes! Meins ist ein Suitcase Mark1, Baujahr 1979 und der 100 Watt Verstärker ist massiv. Ich stehe auf analoge Sounds. Nur, wenn Du mir mein Rhodes gibst, dann solltest du mir auch mein Roland Space Echo und meinen Mini Moog Voyager lassen, dann kann ich mich stundenlang komplett wegbeamen. (lacht)

Viele digitale Keyboards und Synths sind sehr inspirierend für mich, beispielsweise der Roland V-Synth oder die Novation Super Nova II. In der Produktion sind digitale Instrumente oft besser; auf Grund der leichteren Einstell- und Editierbarkeit, oder der Bearbeitung mit Effekten.

Carina: Du hast Bill Evans als Gaststar dabei. Wie kam das, und wie weit hat sein Sound und der der anderen Gäste das Album verändert?

Thomas: Bill Evans hatte ich nach einem seiner Konzerte beim CD-Signing auch meine CD "Nite Angel" gegeben, verbunden mit der Frage, ob er offen sei für eine Teilnahme an einer Produktion aus Deutschland. Er war sehr zurückhaltend und erwähnte, er hätte "mal auf einer Produktion aus Italien gespielt" – vor zehn Jahren oder so! Aber er würde sich die CD anhören und sich melden. Am nächsten Tag hat er zugesagt.

Ich schickte dann eine Pro Tools Session nach New York, er hat dort aufgenommen und wir haben das dann hier im Projekt integriert. Für mich war das etwas Unglaubliches, da ich seit "The man with the Horn" von Miles Davis ein Riesenfan und Bewunderer von Bill bin.

Durch seine Mitwirkung und auch die von Keith Anderson und Melissa Bell hat sich die Produktion um eine Dimension bereichert, von der ich nur träumen konnte. Teil daran haben aber natürlich alle die mit dabei waren. Es war einfach gigantisch!

Carina: Auf "Wave" oder "Anooshas Lullaby Intro" hören wir ausschließlich dich und dein Keyboard.Wann und wie entstand die Idee für die Solotracks?

Thomas: Ich liebe solche Interludes. Das sind kleine Oasen und Soundgimmicks – eben Überleitungen, in denen man experimentieren oder die verschiedensten Sachen umsetzen kann.

Eine wichtige Überlegung ist ja die Reihenfolge der Titel bei einem Album. Man muss auf Beats, Grooves, Tonarten achten, auf den "Flow", wie wir sagen. Das ist wie die Komposition eines sehr langen Songs: Kein Mensch will vier Upbeat Nummern am Stück hören und danach fünf Balladen.

Interludes sind oft der Kleber zwischen Stücken, als Überleitung und um eventuell dem Ohr eine Pause zwischen Gesangsnummern zu geben, eine neue Stimmung zu schaffen. So entstand "Anooshas Lullaby Intro". Bei "Wave" wollte ich etwas Organisches, wie eine Welle, die kommt und geht.

Thomas Motter

Carina: Was fasziniert dich an Jazz, Funk, Soul als Musikrichtung?

Thomas: Musik hat immer etwas mit dem Ausdruck einer Person zu tun. Und zwar einem Ausdruck mit anderen Mitteln als der Sprache oder der Bewegung. Jazz ist für mich Freiheit, Kommunikation und Spontanität. Funk ist Groove und Extase, pulsierende Energie und Heartbeat… Soul wiederum verbindet sich für mich mit Seele, Wahrheit, Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht und Gott!

In diesen drei Stilen, Jazz, Funk und Soul, kann ich all das ausdrücken, was mich bewegt: Power, Wut, Sex, Sehnsucht, Sensibilität, Leidenschaft – also die ganze Bandbreite der Gefühle.

Carina: Hast du so etwas wie eine Lebensphilosophie?

Thomas: Es gibt verschiedene Überzeugungen, die mein Handeln prägen und bestimmen und verschiedene Quellen, die mir Kraft geben. Dankbarkeit ist etwas, das man immer empfinden sollte. Auf Englisch: "Count your blessings!" Auch der regelmäßige Besuch des Online-Gottesdienstes von West Angeles C.O.G.I.C. mit Bishop Blake in L.A. und der Glaube an Gott sind für mich eine regelmäßige Quelle der Kraft und Inspiration.

Das Buch "Atlas Shrugged" von Ayn Rand setzte viel Energie in mir frei, um Sachen umzusetzen, die mir wichtig sind. Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Und wenn etwas nicht klappt? Aufstehen, weitergehen. Und ansonsten gefällt mir noch ein Satz den ich von LyricL gehört habe: "It´s nice 2b important – but more important 2b nice!"

Carina Prange

CD: Moon Base - "High" (Rodenstein Records Rod36)

Thomas Motter im Internet: www.thomasmotter.de

Rodenstein Records im Internet: www.enjarecords.com

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2013
erschienen: 24.5.2013
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