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1. Saarbrücker Jazz-Transfer

Saarbrücken, 7.11. 04 - 28.11.04

Von der Achse Paris - Frankfurt sprach Schlagzeuger Oliver Strauch bei seinem Konzert mit Bass-Legende Jimmy Woode und dem französischen Pianisten Pierre Alain Goualche, das den Abschluss des ersten Saarbrücker Jazz-Fest "jazz-transfer" bildete. Eine Achse, die zwangsläufig über Saarbrücken verlaufe. Das tut sie wirklich. Bisher konnte die Grenzstadt in Sachen Jazz jedoch nur wenig von ihr profitieren.

Gunter Hampel

Große Namen gab es an der Saar eigentlich nur einmal im Jahr zu sehen, und zwar beim Internationalen Jazzfestival im benachbarten St. Ingbert. Ansonsten ist der Jazz im Saarland schon immer eher eine regionale Angelegenheit gewesen - bis heute existiert vor Ort eine ausgezeichnete Szene. Der Saarbrücker Förderverein "Jazz-Syndikat" hat jetzt jedoch einen großen Schritt getan und in Austausch-Kooperation mit dem Baseler "Bird's Eye"-Club und dem Straßburger Festival "Jazz d'Or" das Angebot an Jazzkonzerten in Saarbrücken um eine bedeutende Facette erweitert.

Das Konzept des Festivals ist eindeutig und bewusst offen gehalten: In 16 Konzerten, verteilt auf sieben verschiedene Spielorte innerhalb der Stadt, sollen Blue-Note-Fans einen Monat lang die Möglichkeit haben, Einblicke in den deutschen und europäischen zeitgenössischen Jazz vom Standard bis zur Avantgarde zu erhalten. Und den Veranstaltern ist es bereits im ersten Jahr gelungen, so manche musikalische Delikatesse an Land zu ziehen:

Da wäre zum Beispiel das Auftaktkonzert zu erwähnen, das mit einem wundervollen, von impressionistischer Intensität beseelten Trio um den französischen Akkordeonisten Jean-Louis Matinier, aufwartete. Oder die "Notte Italiana" mit dem 54-jährigen Ausnahmepianisten Enrico Pieranunzi, der mit makellosem Anschlag, einem präzisen Timing und traumhafter Interaktion mit den beiden Sidemen Ares Tavolazzi (db) und Enzo Zirilli (dr) atmosphärisch an legendäre Live-Einspielungen des Bill Evans-Trios anzuknüpfen wusste. Ein Highlight der besonderen Art war der Auftritt von Gunter Hampel und seiner "Music and Dance Company": Eine Hand voll blutjunger Musiker und Breakdancer ließ sich vom Altmeister an Vibraphon und Saxophonen zu musikalischen und tänzerischen Hochleistungsimprovisationen antreiben - ein sinnliches Stück moderner Avantgarde.

Viele Formationen pflegten einen eher konzertanten Jazz-Stil, Sessions gab es leider keine, wohl aber das ein oder andere außergewöhnliche Zusammentreffen: So konnte man die britische Trompeten-Legende Kenny Wheeler erstmals mit dem Trio des Düsseldorfer Gitarristen Philipp van Endert zusammen auf der Bühne erleben - in jener Besetzung also, in der jüngst die CD "Philipp van Endert Trio" eingespielt wurde. In der gepflegten Atmosphäre der beiden Kneipen "Westside" und "Malzeit" jazzte dagegen die jüngere Generation. Nachwuchs-Formationen um Musiker wie Frank Spaniol, Martin Auer oder Peter Ehwald beeindruckten durch souveräne Instrumentenbeherrschung und viel Spritzigkeit.

Nach dem großen Zuspruch in diesem Jahr mit überwiegend gut besuchten Festivalkonzerten, hofft das Jazz-Syndikat nun auf eine Neuauflage im kommenden Jahr und längerfristig auf eine Etablierung in der deutschen Festivallandschaft. Zu wünschen wäre dies allemal. Ein guter Anfang ist gemacht.

Johannes Kloth

Jazz-Syndikat im Internet: www.jazz-syndikat.de

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erschienen: 22.12.2004
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