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St.-Ingbert-Festival

St.-Ingbert, 27.3. - 3.4. 04

In den letzten Jahren scheint es modern geworden zu sein, dass jedes noch so kleine Dörfchen mindestens einmal im Jahr ein Festival veranstaltet – nicht selten sogar ein Jazzfestival. Ist dies auf der einen Seite als Indikator dafür zu sehen, dass es um die Kulturlandschaft in Deutschland doch noch nicht so schlecht bestellt sein kann, wie allgemein behauptet wird, wirken andererseits viele dieser Festivals konzeptlos und uninspiriert ...

Susan Weinert

Nicht so jedoch das "Internationale St. Ingberter Jazzfestival", das dieses Jahr bereits in seiner 18. Ausgabe über die Bühne ging. Auch diesmal hatte der künstlerische Leiter Peter Kleiß wieder unter dem Motto "Encounters – Begegnungen" einige hochkarätige Acts im Aufgebot: Den Auftakt machte das Quintett des britischen Star-Bassisten Dave Holland, jenem Rhythmus-Meister, der von Theolonius Monk bis Miles Davis bereits so ziemlich mit allen Größen des Jazz zusammen gespielt hat.

Und auch an diesem Abend beeindruckte Holland mit seinem ungeheuer kraftvollen Groove, ließ dabei aber seiner jungen Band, bestehend aus Chris Potter (sax), Robin Eubanks (tb), Steve Nelson (vib) und Nate Smith (dr), jeden Raum zur Entfaltung. So war es neben Holland vor allem Chris Potter mit seinen rasanten, nicht enden wollenden Soli, der dem New Yorker Modern Jazz-Sound des Quintetts eine Weltklasse-Note verlieh.

Der zweite Tag des Festivals bestand aus drei Konzerten: Da war zunächst das Duo Georg Ruby (p) und Stefan Bauer (vib), die in ihrem Improvisationen beeindruckend zwischen Jazz und klassischer Musik wandelten. Anschließend groovten die beiden Amerikaner Ray Anderson (tb) und Bob Stewart (tuba) auf ihren Instrumenten und entlockten diesen die wildesten Laute – die wohl außergewöhnlichste Formation des Festivals.

Den Höhepunkt des Abends bildete das Tomasz Stanko Quartett. Während zahlreiche Trompeter-Kollegen wie Freddie Hubbard seit Jahren mit ihrem Ansatz zu kämpfen haben, präsentierte sich der 62-Jährige Pole mit seinem gestochen scharfen Ton in bester Verfassung. Dennoch hatte dieses Konzert etwas ermüdendes, was wohl auch daran gelegen haben mag, dass Stanko auf jegliche Kommunikation mit dem Publikum verzichtete.

Den Kontrapunkt zum fast durchweg balladesken Stil des Stanko Quartetts, bildete am dritten Tag das Unplugged-Projekt "Synergy Extension" von Susan Weinert (g, Foto) und Martin Weinert (b) mit dem Sänger Francesco Cottone. Den Abschluss zu diesem alles in allem gelungenen Festival, machte schließlich ein energetisches Konzert der Pariser Elektro-Jazz Formation "NoJazz". Nicht zu vergessen wären da noch die nächtlichen Jam-Sessions (bei denen auch der Festival-Leiter selbst zum Saxophon griff): Jazz in seiner ganz ursprünglichen Aufführungsform – wo gibt es so etwas noch?

Johannes Kloth

© jazzdimensions2004
erschienen: 8.4.2004
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