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Blue Note Records Festival Gent
Do. 13.7. - So. 23.7.2006

Das mittelalterliche Gent zählt zu den schönsten Städten Europas. Im letzten Jahr wurde der gut 40 Minuten von der belgischen Nordseeküste entfernte Ort zudem zur gemütlichsten Stadt Flanderns erklärt. Das gilt aber sicher nicht für den Monat Juli. Dann nämlich verwandelt sich Gent für zehn lange Nächte in ein Tollhaus.

Ronnie Laws

Die zum 163. Mal veranstalteten "Geentse Feesten" lockten wieder an die zwei Millionen Besucher an. Das größte kulturelle Volksfest Europas lockt auf unzähligen Bühnen mit einem Riesenangebot an Musik. Alles bei freiem Eintritt. Dazu gibt es ein Internationales Straßentheaterfestival, die weltweit besten Puppen- und Figurentheater-Aufführungen sowie ein Tanzfestival.

Und parallel dazu findet ein wenig außerhalb des Stadtkerns, in einem großen Zelt inmitten alter Klostermauern, das Blue Note Records Festival statt. Seit fünf Jahren nun gibt es dieses Festival und es ist in dieser Zeit bereits zum größten Jazzfest in Belgien avanciert. Glücklicherweise hat es sich seinen gemütlichen und entspannten Charme erhalten. Es wird nur auf einer Bühne gespielt, und das soll auch künftig so bleiben. Und das Bier wird in den Pausen noch in echte Gläser abgefüllt. Bertrand Flamang, der Macher des Festivals, möchte Qualität anbieten und nicht zum Riesenevent mutieren. Auch wenn er sich ein gesundes Wachstum wünscht, um künftig Künstler einladen zu können, die er sich augenblicklich noch nicht leisten kann.

Daniel Romeo Band

Das diesjährige Programm konnte sich wie in den Jahren zuvor dennoch hören lassen. Die ersten sechs Tage der inzwischen elftägigen Festivaldauer unter dem Motto "All that Jazz." präsentierten Künstler wie Wayne Shorter, Charles Lloyd, Dianne Reeves, John Zorn oder, natürlich, Toots Thielemans. Die letzten fünf Tage mit dem Titel "All that Jazz?" hatten unter anderem den eigenwilligen Songwriter Randy Newman im Programm, der solo am Konzertflügel seine Songs über kleine Leute oder Kriegswahnsinn mit gewohnt nöliger Stimme und ironischen Kommentaren versah.

Raul Midóns Mischung aus Gesang, akustischer Gitarre und Elementen aus Soul, Jazz, Pop und Flamenco wird getragen von der souligen Stimme des blinden Musikers, war nach spätestens einer Dreiviertelstunde aber in Gleichförmigkeit getaucht. Der Vorteil für die Musiker in Gent, sich festivalunübliche, satte 90 Minuten präsentieren zu können, war letztendlich für Raul Midón ebenso wenig einer wie für Bands wie Orishas oder Amparanoia, die ebenfalls irgendwie die Repeat-Taste in ihrem Programm hatten.

Orishas

Dagegen unterhielt der Trommler Tony Allen ebenso durchweg bestens mit seinem groovigen Afro-Beat wie der Brasilianer Sergio Mendes mit modernden und klassischen Brasilsounds und der Kubaner Chucho Valdés, der mit seinem fantastischen Quartett feurigen, afro-kubanischen Jazz zelebrierte. Enttäuschend dagegen die Original Superstars Of Jazz Fusion. Die schon Anfang der 80er gegründete Band um Roy Ayers mit den klangvollen Namen Ronnie Laws, Lonnie Liston Smith, Jean Carne, Bobbi Humphrey und Wayne Henderson kam über gelegentlich überzeugendes Stückwerk nicht hinaus. Ein richtiges Bandkonzept war nicht erkennbar. Da kredenzte das Ronny Jordan Trio seinen Bogenschlag vom Soul Jazz hin zum Acid Jazz mit wesentlich mehr Inspiration und Raffinesse. Und auch die Band des belgischen Bassisten Daniel Romeo wusste mit ihrem knackigen Funk-Jazz mehr zu gefallen.

Belgische Acts bekommen bei diesem Festival regelmäßig ihr Podium. Eine gute Sache, um einen Einblick in die talentierte Szene zu bekommen – nicht nur für den auswärtigen Jazzfreund. Bertrand Flamang ist mit seinem Festival nach nur fünf Jahren auf einem guten Weg. Und der Festivalmacher hat schon weitere Pläne. Die aber seien noch nicht druckreif, bittet er im Gespräch. Verschwiegenheit ist da Ehrensache. Aber der Jazzfreund darf sich schon freuen!

Christoph Giese

Blue Note Records Festival im Internet:
www.bluenoterecordsfestival.com

Fotos :Christoph Giese

© jazzdimensions 2006
erschienen: 9.8.2006
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