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Funchal Jazz Festival 2007
Madeira, 5. 7. - 7. 7. 2007

Der Jazzfreund auf Madeira ist voller Gottvertrauen. Er baut die Lautsprecher seitlich der Bühne ungeschützt auf und gönnt auch dem Mischpult und seinen Bedienern kein Dach über dem Kopf. Natürlich sitzt auch das Publikum beim "Funchal Jazz Festival" völlig im Freien. Regnen wird es schon nicht. Und regnen tut es zur Festivalzeit auch nicht in Madeiras Hauptstadt.

Joe Lovano

Auf der Insel schon. Im nur 30 Kilometer entfernten Machico stürmt es und kommen immer wieder Tropfen vom Himmel. Weiter oben in den Bergen, in Portela, hat sich die Sonne die ganze Zeit nicht blicken lassen. Stattdessen lässt ein feuchter und dichter Nebel frösteln. Doch in Funchal ist alles bestens. An die 2.000 Zuhörer strömen jeden der drei Festivalabende in den wunderschön gelegenen Park Quinta Magnólia, um einem exquisiten Programm zu lauschen.

Zwei Bands gibt es pro Abend. Die erste spielt rund eine Stunde, der Hauptact ein gutes halbes Stündchen länger. Zeit zum Zuhören ist hier wichtiger als möglichst viele Künstler zu präsentieren. Und so sitzt man entspannt bei angenehm kühlen etwa 20 Grad und hört die einheimische Formation Madfun (eine Wortspielerei gebildet aus den jeweils ersten drei Buchstaben von Madeira und Funchal) und ihrem netten Fusion-Jazz. Als Gast dabei: Saxofonist Rick Margitza, der allerdings erst einen Tag zuvor die Band kennen lernte. Es war die Idee der Organisatoren, den Amerikaner zum Auftritt von Madfun einzuladen. So blieben Spannungspunkte bei diesem Auftritt verständlicherweise die Ausnahme.

Nnenna Freelon

Reichlich Spannendes hatte dafür Nnenna Freelon im Gepäck. Die Amerikanerin, hierzulande fast nie mit eigener Band zu hören, und ihre ganz eigene Art, frisch und unkonventionell arrangierte Jazzstandards mit ihrer großartigen Stimme zu singen, kam riesig an. Erst recht, als sie gegen Ende ihres Programms den mächtigen "Funchal Blues" anstimmte und sich mit einem fulminanten "I Say a Little Prayer" verabschiedete.

Mit Ithamara Koorax präsentierte sich in Funchal eine interessante, eine starke und energiegeladene Stimme vom Zuckerhut. Mit ihrem fantastischen Trio, mit José Roberto Bertrami an den Tasten, unternahm die Brasilianerin vielseitige Reisen von Jazzstandard bis hin zu modern groovenden Interpretationen von Brasil-Hits wie "Desafinado" oder "Mas Que Nada". Auch Trommler Carlos Carli aus Uruguay bewies viel Spielwitz. Sein spanisch-uruguaisches Quintett mit dem argentinischen Trompeter Diego Urcola machte nicht nur aus Miles Davis´ Solar einen südspanischen Tanguillo, sondern verwendete auch argentinische Folklorerhythmen als Bereicherung eines feinen Latin-Jazz.

SF Jazz Collective

Das SF Jazz Collective mit Joe Lovano erfrischte zum Festivalabschluss mit schönen Bearbeitungen von Thelonious Monk-Stücken, einer seelenvollen Suite aus der Feder von Trompeter Dave Douglas und anderen, bunt gefärbten Kompositionen der Mitglieder dieser famosen Mini-Bigband.

Für das nächste Jahr plant die das Festival veranstaltende Stadtverwaltung von Funchal, CMF (Câmara Municipal do Funchal), richtig Großes. Anlässlich der Feiern zum 500-Jährigen Bestehen der Stadt Funchal kursieren schon Namen wie Herbie Hancock und Paolo Conte als mögliche Festival-Künstler. Noch ist das aber Zukunftsmusik.

Christoph Giese

Fotos: Christoph Giese

© jazzdimensions 2007
erschienen: 19.7.2007
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