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Kronstadt Jazz Festival
Brasov/Kronstadt, 7.9. - 9.9.2007

Mucksmäuschenstill ist es im prächtig besetzten Teatrul Dramatic im Herzen von Brasov. Auf der Bühne des alten Theaters spielen der rumänische Pianist Mircea Tiberian und die beiden Amerikaner Chris Dahlgren am Kontrabass und John Betsch am Schlagzeug ihr wundervolles Konzert. Es ist ein Auftritt basierend auf Improvisationen und es funktioniert. Und das erstaunlich junge Publikum lauscht gebannt.

Nicolas Simion

Jazz in Rumänien scheint die Menschen zu interessieren. Und hier, im transsilvanischen Brasov gibt es ein traditionsreiches Event, das ab diesem Jahr als "Kronstadt Jazz Festival" firmiert. Der Titel "Brasov Jazz Festival" sei genauso vergeben, weil geschützt gewesen wie "Transylvania Jazz Festival", erklärt die sehr engagierte Festivalmacherin Jenny Braescu. "Dracula Jazz Festival" war kurzzeitig auch eine Namensoption, aber da ist Kronstadt, wie Brasov auf Deutsch heißt, sicher die bessere Wahl.

Decebal Badila

Jenny Braescu möchte gerne auswärtige Musiker einladen, aber unbedingt auch die rumänische Szene präsentieren. Manches Mal ließ sich das in diesem Jahr einmal mehr verbinden. So spielte der großartige Mircea Tiberian aus Bukarest mit zwei Amerikanern, so wie die beiden Rumänen Petrica Andrei und Decebal Badila mit dem US-Schlagzeuger Barry Altschul ein weiteres Klaviertrio bildeten, das allerdings über das technisch beschlagene, aber auf Dauer auch ein wenig ermüdende Jammen über Jazzstandards und wenige eigene Stücke nicht hinauskam.

Barry Altschul

Der berühmteste Jazzsohn der Stadt war ebenfalls wieder im Programm zu finden. Nicolas Simion, längst in Köln beheimatet, hat in Brasov Musik erlernt, bevor er in Bukarest studierte. 1983 schon spielte er das erste Mal auf dem Jazzfestival - und danach regelmäßig wieder. Immer aber mit anderen Musikern. So brachte er unter anderem schon Archie Shepp, Charlie Mariano und Lee Konitz nach Brasov, um wichtige Kontakte von rumänischen Jazzern zum Ausland zu fördern.

Simion ist an einem Austausch der Kulturen interessiert, was sich auch in seiner Musik widerspiegelt. Seine neue, in Rumänien gepresste DVD "Transylvanian Grooves" (7dreams Records; www.nicolassimion.com), ein Konzertmitschnitt seines Auftritts mit seiner Band beim letztjährigen Viersener Jazzfestival, stellte der bärtige Saxofonist in seiner alten Heimat vor. Mit einmal mehr verändertem Line-Up und anderen, auch anders klingenden Stücken, mit improvisationsgetränktem Jazz, der bei Simions´ Saxofonspiel einen Folkloreeinschlag nicht verbergen will.

Anca Parghel

Dann brachte noch Sängerin Anca Parghel, die nun endgültig wieder ganz nach Rumänien gezogen ist, mit exaltiert dargebotenen Jazzstandards und am Schluss vor allem mit der hinreißend jazzigen Umsetzung eines bekannten rumänischen Volksliedes ihr Publikum zum Rasen, spielte das polnische Wlodek Pawlik Trio einen erfrischend eigenständigen Modern Jazz, lieferte der peruanische Pianist Paul De Castro mit seinem Multi-Kulti Orchesta Dengue ganz nette Latin-Unterhaltung. Das "Kronstadt Jazz Festival" macht Spaß und durchaus Lust auf Jazz aus Rumänien.

Christoph Giese

Kronstadt Jazz Festival im Internet: www.jazzbrasov.ro

Fotos: Christoph Giese

© jazzdimensions 2007
erschienen: 15.10.2007
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