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31. Leipziger Jazztage - "Africa Calling"
Leipzig, 3.10. - 6.10.2007

Manchmal werden Träume wahr – und der künstlerische Leiter der Leipziger Jazztage, Bert Noglik, hatte die Möglichkeit, bei der 31. Auflage seines Festivals einen Afrika-Schwerpunkt durchziehen zu können, zunächst sicher für einen Traum gehalten. Dank Geldzuwendungen geneigter Sponsoren und weiterer Glücksfälle klappte es dann doch...

McCoy Mrubata

So gaben sich etwa Künstler wie McCoy Mrubata & Paul Hanmer Sextet, Carlo Mombelli & The Prisoners of Strange und Abdullah Ibrahim am zweiten Veranstaltungstag – übertragen gesagt – die Klinke in die Hand. Der deutliche Fokus auf Afrika hinderte nicht daran, auch amerikanische und europäische Musiker mit einzubeziehen und, wie am dritten Tag geschehen, den Bogen gleich von Norwegen aus über Italien in Richtung der "South African-Dutch Connection" zu schlagen. Hauptort des Geschehens der Leipziger Jazztage war das Schauspielhaus, etwas außerhalb des inneren Stadtringes gelegen, aber gut erreichbar. Sehr dekorativ macht sich auch eine Jazzband auf der altehrwürdigen Theaterbühne und die Atmosphäre an diesem "Ort der Kunst" ist wunderbar.

Raum für freie Improvisation und auch für eher Mainstreamiges gab es auf diesem Festival gleichermaßen. Ein begeistert klatschendes Publikum verdienten sicher ohnehin alle Musiker (und haben es durch die Bank auch erhalten): das Leipziger Publikum erwies sich für die Künstler als äußerst dankbar und anspornend-motivierend. Überhaupt scheint Leipzig, die Stadt der Musik und Literatur, für neue Musikrichtungen und spannende musikalische Konstellationen und Ausrichtungen immer ein offenes Ohr zu haben.

Karl Seglem

Von der Vielzahl der Konzerte seien hier zwei Bands herausgegriffen, deren Orientierung sehr unterschiedlich war: Zunächst das McCoy Mrubata & Paul Hanmer Sextet mit dem Programm "Good News From Africa" (Do., 4.10.). Was da den Hörern zu Ohren kam war frischer Jazz aus Johannesburg. Südafrikas Gegenwartsjazz klingt im Sextett mit drei Bläsern kompakt, modern, aber auch mainstream-kompatibel. Sehr unterschiedliche Persönlichkeiten bilden diese Band – und jeder Musiker für sich hat eine sehr individuelle Ausstrahlung und einen ebensolchen Sound, der sich zu einem Gesamtklang mit Drive verbindet. Bandnamensgeber McCoy Mrubata am Saxophon und Paul Hanmer am Klavier, Posaunist Jabu Magubane und Trompeter Prince Lengoasa sorgen gemeinsam mit Trevor Donjeany (b) und Kevin Gibson (dr) für Schwung und gute Stimmung.

Das persönliche Highligt der Rezensentin war das Konzert des norwegischen Saxophonisten und Goat-Horn-Spielers Karl Seglem am Fr., 5.10.) – hatte man doch endlich mal die Gelegenheit, Seglem mit seiner norwegischen Band inklusive des Hardanger-Fiddle-Spielers Hakon Hogemo live zu erleben. Seglem, dessen Musik vom Spannungsfeld aus Jazz, elektronischer Musik und Norwegian Folk besteht, erzeugte mit dieser Bandkonstellation für hohe Spannung und präsentierte eine unglaublich lebendige Musik. Neben Seglem und Hogemo ergänzten Gjermund Silset an Bass und Gitarre, Olav Torget (Ngoni, Baglava und Chinese Moon-Guitar) und Helge Norbakken an Drums und Perkussion den Sound.

Die Hardanger Fiddle erwies sich als sehr empfindliches Instrument, da es sich bei den Saiten um Darmsaiten handelt, die immer wieder nachgestimmt werden müssen. (Diese "Zwangspausen" zwischen den Stücken wurden allerdings vom Bandleader für Erläuterungen zu Musik und den einzelnen Stücken höchst nutzbringend verwendet.) Die Power des Quintetts, seine ungeheure Spielfreude und letztlich die ungewohnten Klänge und Klangkombinationen stachelten das Publikum – alt und jung gleichermaßen – zu begeistertem Beifall an. Schließlich durften die Herren aus Norwegen sogar trotz des engen Zeitrahmens des Abends noch eine Zugabe geben.

Abdullah Ibrahim

Die Leipziger Jazztage, die übrigens von Mittwoch bis Samstagnacht neben dem Schauspielhaus auch im NaTo (wo Künstler wie Damo Suzuki oder Kazotuki Umezo zu erleben waren), der Moritzbastei (hier konnte man Alan Skidmore hören) und der Evangelisch-Reformierten Kirche stattfanden, zeigen mal wieder eines: Leipzig ist nicht nur eine Bach-Stadt, sondern auch eine wichtige Jazzstadt – und hinter dem Jazz stehen engagierte Leute, die einem großartigen Publikum großartiges Programm bieten.

Carina Prange

Leipziger Jazztage im Internet: www.leipziger-jazztage.de

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2007
erschienen: 10.10.2007
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