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Wolfgang Sandner (Hg.) - "Jazz"

Warum ein weiteres ausführliches Nachschlagewerk zum Thema Jazz? Als primäre Begründung hierfür mag einleuchten, dass dieses Buch mit dem Titel "Jazz" als Band 9 im Rahmen einer 12-teiligen, als "Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert" angelegten Reihe erscheint – ein eigener Themenband spiegelt die Rolle des Jazz in diesem Kontext sicherlich adäquat wider.

Wolfgang Sandner (Hg.) - "Jazz" (Laaber Verlag)

Ausführliche Nachschlagewerke, Bücher über Jazzmusik gibt es, wie man weiß, bereits einige. Einen guten populärwissenschaftlichen Überblick über Geschichte, Instrumente, Musiker, Techniken und Aufnahmen lieferte beispielsweise John Fordham mit seinem, ebenfalls "Jazz" betiteltem Buch (Christian Verlag, München 1994). Mehr ins Detail gehend, wissenschaftlicher und, besonders hervorzuheben, mit ausführlichen Statements und Erläuterungen zu Jazz in Deutschland und Europa, erschien 1997 bei Zweitausendeins der einige Kilo schwere und über 700 Seiten starke Wälzer "That's Jazz - Der Sound des 20. Jahrhunderts" von Klaus Wolbert (Hg.).

Betrachtet man das Buch von Wolfgang Sandner nicht im Rahmen der genannten Handbuchreihe sondern in Konkurrenz zu den vorgenannten Werken, so muss schon mehr geboten werden – und dies geschieht auch: Sandners Jazzbuch trumpft neben dem illustren Autorenstamm, der Namen wie Reimer von Essen, Wolfram Knauer und Jürgen Schwab (allen Lesern von Büchern im Spektrum Jazz vertraut) aufweist (und zu dem Sandner als Professor für Musikkritik selbst ebenfalls zählt), auch mit thematischen Highlights auf.

Der Sicht auf die Jazzgeschichte ("Historischer Überblick") folgt auf dem Fuße eine "Analyse der Stilelemente" des Jazz. Dann wiederum wird die "Aufführungspraxis historischer Jazzstile" intensiv unter die Lupe genommen – ein sonst oft beklagenswert vernachlässigtes Thema. Je ein Kapitel werden "Wirtschaft, Gesellschaft und Produktionsformen" einerseits, den "Organisationsformen" andererseits gewidmet – letzteres bezieht sich inhaltlich auf Veranstaltungsorte, Orchester, Freie Musiker sowie die Ausbildung und Wissenschaft.

Jedoch, das Buch macht hier nicht halt, sondern vertieft sich ein ausführliches Kapitel lang in die Tiefen der sozialen Ästhetik – wissenschaftliche Sichtung und Analyse kommen bei Sandner hier, wie sonst auch, nicht zu kurz. Anschließend folgen Ausführungen zu "Jazz und den Künsten" (vergleichbar mit dem vorletzten Kapitel "Jazz in den Massenmedien und Künsten" in Wolberts Buch) und, als letzter Akt und letztes großes Thema des Buches, eine eingehende Auseinandersetzung mit der "Jazz-Analyse" in ihren diversen Ausprägungen, wie u.a. auch der Jazzforschung, durch Wolfram Knauer.

Sandners "Jazz" ist ein gelungenes und vor allem fundiertes Gesamtwerk zum Thema, lädt dabei zur Vertiefung in Einzelaspekte des Jazzkosmos ein und verfügt insgesamt im Schnitt über eine gute Lesbarkeit ebenso für den "gehoben intellektuellen" Leser wie für den "Normalleser". Anders als die stilistisch anstrengende, aber korrekt auf das Profunde des Buches hinweisende Einleitung des Herausgebers, der es an wohlgesetzem Fachlatein nicht mangelt, ziehen die Autoren (auch Sandner selbst) weiter innen meist einen gut lesbaren Schreibstil voll Schwung und Energie vor. "Jazz" nähert sich seinem Thema up-to-date und vielfältig, lässt dabei (trotz seines nicht allzu großem Umfangs, dies ist jedoch auch kein Bildband, also textlastig) kaum etwas aus. Mithin darf das Werk eigentlich im Bücherschrank des, an Hintergründen interessierten, Jazz-Afficionados nicht fehlen. Ein weiterer Verdienst dieses Buches liegt in der Anregung zum Weiterlesen – der Anhang voll Tipps zu Archiven und mit diversen Litarturhinweisen sei wärmstens empfohlen.

Fazit: Ein großartiges, gelungenes Buch, das auch alleine seinen, nicht unerheblichen Preis wert ist und von seiner kompakten Qualität her zudem Rückschlüsse auf die restlichen Bände der Reihe ermöglicht.

Carina Prange

Buch: Wolfgang Sandner (Hg.) - "Jazz" - Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert, Band 9 (Laaber-Verlag, Laaber 2005; 360 Seiten, 72 Euro, ISBN 3-89007-429-4)

Laaber-Verlag im Internet: www.laaber-verlag.de

Cover: Jung & Pfeffer, Bremen

© jazzdimensions2005
erschienen: 25.7.2005
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