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Melody Gardot - "Worrisome Heart"

Es gibt sie, die Songs, die man zum ersten Mal hört und die einem dennoch schon vertraut vorkommen. Die 22-jährige Amerikanerin lädt auf ihrem Debutalbum "Worrisome Heart" den Zuhörer ein, die Welt der Melody Gardot zu betreten und in sie hineinzuhören, in die Vergangenheit und Gegenwart dieser ungewöhnlichen Musikerin.

Melody Gardot - "Worrisome Heart"

Begonnen hat die Karriere der Melody Gardot noch ganz herkömmlich. Sie spielte schon als 16-jährige in diversen Pianobars in ihrer Heimatstadt Philadelphia und erreichte damit zwar lokale Bekanntheit, aber der große Erfolg blieb aus. Bis, ja bis sie als 19-jährige auf dem Fahrrad fahrend von einem Range Rover überrollt wurde und mit schwersten Becken- und Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Während der monatelangen Rekonvaleszenz kam einer der Ärzte auf die Idee, mit ihr eine Musiktherapie zu beginnen, um Gardots Gedächtnisschwierigkeiten in den Griff zu bekommen.

Diese Therapie hatte einen so großartigen Erfolg, dass Melody noch im Krankenbett liegend Lieder schrieb und aufnahm, welche auf der ersten 6-Track-EP "Some Lessons: The Bedroom Sessions" veröffentlicht wurden. Gardots Genesung schritt zwar weiter voran, sie leidet aber noch heute unter den Folgen des Unfalls, muss ständig eine dunkle Brille tragen und benötigt einen Stock zum Gehen. 2008 erschien nun ihre erste richtige CD "Worrisome Heart", die, mit hervorragenden Musikern eingespielt, ein Abbild der musikalischen Vielfalt dieser bemerkenswerten Künstlerin wiedergibt.

Im gleichnamigen Opener der CD lässt zwar stilistisch Norah Jones grüßen, Gardot versucht aber keinesfalls zu kopieren, sondern setzt ihre sensible und zugleich variantenreiche Stimme sehr behutsam ein. Im darauf folgenden "All That I Need Is Love" geht es etwas swingender zu, aber so richtig einordnen lässt sich Gardots Musik trotzdem nicht. Das bestätigt sie auch selbst, indem sie sagt, sie übernehme sowohl Einflüsse des Blues, Folk und Jazz, ihr Hauptaugenmerk liege aber auf dem Songwriting. Dies beweist sie eindrucksvoll etwa in "Sweet Memory", einem locker groovenden Stück mit sparsamer Steel Guitar Begleitung, das einfach im Ohr hängen bleibt, oder im ruhigen und berührenden "Some Lessons".

Im weiteren Verlauf des Albums gewinnt man das Gefühl, die Lieder irgendwie schon zu kennen, obwohl man sie gerade zum ersten Mal hört. Und dass die Songs keinem Genre wirklich zuzuordnen sind, stört immer weniger. Sicher, "echten" Bluesfreaks oder "wirklichen" Jazzern wird das Album ein wenig zu glatt sein. Vielleicht wäre ja wirklich da oder dort ein wenig mehr Mut beim Arrangement zuträglich gewesen; was bleibt, ist dennoch ein intimes und zugleich facettenreiches Album einer bemerkenswerten Künstlerin, von der man in der Zukunft hoffentlich noch einiges erwarten kann.

Christian Salentinig

CD: Melody Gardot - "Worrisome Heart"
(Boutique Records/ Universal )

Melody Gardot im Internet: www.melodygardot.com

Universal Records im Internet: www.jazzecho.de

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2008
erschienen: 12.6.2008
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