Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / others / 2008
Chris Rea - "The Return Of The Fabulous Hofner Bluenotes" 3 CD "Ear Book"

Aha, klingt wie Shadows... Nein? Ach, die "Delmonts"... Kennen Sie nicht? Kein Wunder – was hier eine dokumentarische Retrospektive vorgaukelt, entspringt den Saiten und der Phantasie von Chris Rea. Der hat sich allerdings alle Mühe gegeben, dem Projekt einen authentischen Anstrich zu geben und gleich die vergilbte Fotosammlung und ein paar passende Legenden mitgeliefert.

Chris Rea - "The Return Of The ..."

Die Delmonts gab es also nicht wirklich, ebensowenig wie es die Fabulous Hofner Bluenotes gab, die vorgeblich das Repertoire der beiden anderen CDs der Kassette bestreiten (die beiden Vinylscheiben, die ebenfalls enthalten sind, lagen dem Rezensenten nicht vor, leider). Bei den Herren, die real hinter der Musik stehen, handelt es sich neben Chris Rea selbst um Robert Ahwai an der Gitarre, Martin Ditcham am Schlagzeug, außerdem Neil Drinkwater an den Keyboards und Colin Hodgkinson am Bass. Lug und Trug also? Nein, denn es geht um etwas anderes.

Chris Rea inszeniert um seine fiktive Band ein Szenario, das im Arbeitermillieu der Ära des aufkeimenden Rock 'n' Roll in England angesiedelt ist und es gelingt ihm, dies in Musik und Bild (das Booklet dieses Buches ist immerhin 80 Seiten stark) so gut zu übermitteln, dass man tatsächlich zu fühlen glaubt, was damals so aufregend und neu an dieser Musik war. Es sind natürlich nicht nur die Shadows, die hier in Anklängen wiedergespiegelt werden, genauso die Telstars, die Ventures und die ganzen anderen Bands jener Epoche, die auch vor Blues und Vaudevilleklängen und Kinomelodien nicht Halt machten (bis hin zur französischen Nationalhymne in "French Football"). Die Gitarrenarbeit ist gediegen, einzig der Keyboardsound will sich nicht immer einpassen – ist vielleicht die heutige Studiotechnik einfach zu gut?

In den 60ern, so kolportiert Rea, hätten die Delmonts einen stilistischen Schwenk hin zu gesungenen, bluesorientierten Titeln gemacht und sich umbenannt. Enter: The Fabulous Hofner Bluenotes. Natürlich singt hier kein anderer als Rea selbst. Der Sound wird erdiger, bluesbetonter (klingt, ja wirklich, gelegentlich nach ZZ Top – kein Manko) und auch Reas unnachahmliche Slidegitarre tritt hervor ("Big Wave", "Legacy Blues"). Die Hofner Bluenotes bieten also eher eine Plattform für Reas (aktuell blueslastiges) Songwriting, als dass hier, wie bei den Delmonts, ein stringentes Zeitportrait versucht würde. Natürlich atmet die Musik (hier liegen schließlich Reas Wurzeln) viel von Peter Green und Fleetwood Mac (wie in "Don't Tell Me About The Blues").

Kultig immerhin ist die Verwendung von Originalinstrumenten – auf dem Cover sind vier der Musiker (in Shadows-Pose) von links nach rechts mit einer Höfner "Galaxie", einer Höfner "V3 Solid", and einem Höfner 500/1 "Beatles Bass" portraitiert (Pech wohl für den Keyboarder, dass Höfner keine Orgeln herstellte...). Warum nun gerade Höfner? Das Booklet erklärt: dies waren die "erreichbaren" Traumgitarren für alle damaligen englischen Musiker, die sich meist eben weder Fender noch Gibson leisten konnten. Darum also (aufgemerkt Nostalgiker – die Firma Höfner existiert noch).

Für Chris Rea (der tatsächlich Höfner spielt) war dies offenbar Anlass, einige echte Perlen aus dem Ärmel zu schütteln ("Twister Inside", "When The Truth Comes Out", "Blues For Janice" und andere – nicht alle Songs sind derart hochklassig, aber macht nichts...), welche die Sammlung allein rechtfertigen (auch eine Wiederbegegnung mit dem Gitarrenriff aus "Auberge" erwartet den geneigten Hörer ... nun, Selbstzitate sind erlaubt). Die CDs zwei und drei hätten also auch unmittelbar unter Reas Flagge fahren können, wäre da nicht die originelle Idee mit den Delmonts gewesen. Und der Spaß, den die Musiker dann offenbar mit der Umsetzung der Angelegenheit hatten...

Und also auch der Hörer... Stellt sich die Frage, warum eigentlich heutzutage niemand mehr Musik im Stil der Shadows macht. Oder so ähnlich. Aber stimmt ja gar nicht – er hier tut's ja! Die CD-Kassette ist nicht mehr und nicht weniger als eine opulent verpackte unterhaltsame Zeitreise. Braucht man vielleicht nicht, besitzt man aber gerne (wird bestimmt mal selten ... vielleicht ... na, ist ja auch egal, oder?).

Frank Bongers

CD: Chris Rea - "The Return Of The Fabulous Hofner Bluenotes" (Jazzee Blue/Edel P940004505)

Chris Rea im Internet: www.chrisrea.com

Jazzee Blue im Internet: www.jazzeeblue.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2008
erschienen: 18.2.2008
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: