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Kahn/Müller - "Signal to Noise No. 4/No. 5"

Von Jason Kahn, der vor Jahren als Trommler von jazzinfizierten Rockbands wie "Universal Congress of" oder "Cruel Frederick" von sich reden machte würde man heute eigentlich eine ähnliche Musik erwarten. Nun hat er aber schon seit Jahren seine Trommelstöcke in die Schublade gelegt und sich an die Erforschung des Klanges an sich gemacht. Häufig arbeitet er dabei mit Günter Müller, einem ebenfalls vom Schlagzeug her kommenden Klangperformer und Labelbetreiber, zusammen.

Kahn/Müller - "Signal to Noise No. 4"

Soeben sind No. 4 und 5 der Reihe "Signal to Noise" erschienen, wobei sich das Konzept dieser Serie vor allem um den Austausch zwischen Künstlern unterschiedlichster Herkunft dreht. "No. 4" vereint Kahn und Müller mit Tomas Korber, Norbert Möslang, Christian Weber und Katsura Yamauchi. Durch das Zusammenwirken von digitalen Klangerzeugern mit Musikern, die auf Kontrabass, Saxophon und Gitarre analoge Instrumente spielen, entstehen vollkommen neuartige Klangwelten.

Dabei hat man den Eindruck, die Musiker hätten sich vom Element Wasser inspirieren lassen. Stellenweise klingen die verschachtelten, aufeinander getürmten lang gezogenen Melodiebögen ihrer gemeinsamen Improvisation als würde man auf einem Bootssteg an einem schwedischen See sitzen. Immer wieder führen die sich überlagernde "sounds" aber auch zu Verzerrungen, was dem kontemplativen Charakter der Aufnahmen zuwider läuft und für genügend Unruhe sorgt.

Kahn/Müller - "Signal to Noise No. 5"

Obwohl auf Ausgabe "No. 5" mit Norbert Möslang und Aube weniger Musiker beteiligt sind fängt die CD ungemein gewaltiger an. Nicht suchend und forschend, wie "No. 4", sondern unruhig und vibrierend. Deutlich ist zu hören, dass alle vier Musiker mit rein digitalen Klangquellen arbeiten. Das Ergebnis ihres gemeinsamen Improvisierens gleitet dadurch in etwas vollkommen Abstraktes hinein.

Ironischerweise klingt diese CD sehr stark wie die frühen elektronischen Klangexperimente von Bebe und Louis Baron, die schon in den fünfziger Jahren mit ihren Maschinen Soundexperimente machten. Berühmt geworden ist ihre Musik zu dem Science-Fiction-Film "Forbidden Planet" von 1956. "Signal to noise No. 5" würde sich wunderbar als Soundtrack für einen modernen Science-Fiction-Film eignen, fragt sich nur, für was für einen?

Was die Aufnahmen auf diesen beiden CD's vereint ist das Bemühen der Musiker, sich nicht in Ego-Trips zu verlieren, sondern ihr Bemühen um ein echte Zusammenarbeit. Man kann hier kaum von "Zusammenspiel", sondern müsste eigentlich von "Zusammenweben" reden, da sich alle Beteiligten in Zurückhaltung üben. Pausenlos verschieben sich die Spannungsbögen, driften auseinander und finden doch, auf beinahe magische Weise, immer wieder zueinander.

Michael Freerix

CD: Kahn/Müller - "Signal to Noise Vol. 4"
(for 4 ears records CD 1866)
Kahn/Müller - "Signal to Noise Vol. 5"
(for 4 ears records CD 1867)

Jason Kahn im Internet: www.jasonkahn.net

Günter Müller im Internet: www.guentermueller.com

for 4 ears Records im Internet: www.for4ears.com

Cover: Günter Müller

© jazzdimensions 2008
erschienen: 8.4.2008
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