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John Zorn - "Filmworks XXI"

Neben seinen zahlreichen Veröffentlichungen im Bereich Jazz, Rock- oder Kammermusik hat John Zorn in den vergangenen 20 Jahren auch immer wieder Filmmusiken geschrieben. Zwei neue, sehr gegensätzliche Arbeiten für Filme sind auf der CD "Filmworks XXI" versammelt, die soeben auf Tzadik-Records erschienen ist.

John Zorn - "Filmworks XXI"

Filmmusik ist für John Zorn, wie für sein großes Vorbild Ennio Morricone, ein Experimentierfeld mit schier unbegrenzten Möglichkeiten. Im Gegensatz zu Morricone, der weiß, wie Musik dramaturgisch zu funktionieren hat, nutzt Zorn die Filmbilder vor allem, um mit Klängen spielerisch umzugehen. Auf "Filmworks XXI" findet sich dazu ein geradezu typisches Beispiel: "Belle de Nature" – von der Regisseurin Maria Beatty, mit der Zorn schon häufiger zusammen gearbeitet hat – ist ein Spielfilm, der zu großen Teilen im sonnendurchfluteten Wald gedreht wurde.

Dieses naturdurchtränkte Sujet regte Zorn zu einer Komposition an, bei der er den Klang einer elektrischen Gitarre mit dem einer Harfe paart. Heraus kommt eine Musik, die gleichzeitig lyrisch-melodiös und eigenartig ist. Immer wieder trifft man beim Hören auf Zitate arabischer Musik, des Jazz oder der Rockmusik, ohne dass dies plump wirkt. Ganz im Gegenteil, Zorn's Musik zu "Belle de Nature" hat, auch ohne den Film, eine atmosphärisch Kraft voller zauberhafter Schönheit.

Den zweiten Soundtrack auf "Filmworks XXI" hat John Zorn für einen Film des niederländischen Dokumentarfilmers Oeke Hoogendijk geschrieben. Darin geht es um den Umbau des ‚neuen Reichsmuseums', einem Ort, an dem die Geschichte der Niederländer vom Mittelalter bis in die Gegenwart dargestellt wird. Der Film schildert nicht nur den Umbau des Hauses, sondern wie dabei auch die Darstellung der niederländischen Geschichte kontextuell neu definiert wird.

Ausgehend von den vielen historischen Gemäden und Artefakten, die es in diesem Film zu sehen gibt, hat Zorn einen Potpourri aus musikalischen Zitaten zusammengestellt. Spinett und Vibraphon spielen diese Komposition und stellen dabei geschickt die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Geschickt und reizvoll verbindet Zorn darin Jazz mit dem Barock oder gar zeitgenössischen Musikfitzelchen. Deutlich ist dieser Musik aber anzuhören, dass sie als Hintergrundmusik gedacht ist und einer dokumentarischen Dramaturgie dient. Sie wirkt zwar leicht und spielerisch, bleibt aber doch ihrem Sinn und Zweck verhaftet. Auf sich allein gestellt zerfällt sie in die vielen kleinen Stückchen, die notwendig sind, um die erzählerische Struktur des Filmes über ‚The New Rijksmuseum' voran zu treiben.

Das ist eben eine von diesen Stolperfallen, die Filmmusik häufig fade und uninteressant macht. Ganz so schlimm ist es bei diesem Soundtrack nicht, aber er verliert, im Vergleich zu "Belle de Nature" doch deutlich an Eigenständigkeit.

Michael Freerix

CD: John Zorn - "Filmworks XXI" (Tzadik TZ 7370)

Tzadik Records im Internet: www.tzadik.com

Cover: Fabrice Pinet

© jazzdimensions 2009
erschienen: 7.4.2009
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