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Maja Osojnik Band - "Crne Vode/Black Waters/Schwarze Wasser"

Der Spruch "stille Wasser sind tief" trifft hier auf alle Fälle nicht zu. Denn hier sind es "schwarze" Wasser, die tief, unergründlich und gefährlich sein können – und manchmal gar tödlich. Aber nicht still – Maja Osojnik packt Texte voll Sprengkraft in ihre Songs, singt überwiegend auf Slowenisch und in der sehnsuchtsvollen, gelegentlich sogar fröhlichen Musik geht es um tragische, gar gruselige Dinge.

Maja Osojnik Band - "Crne Vode/Black Waters"

In dem tatsächlich dreisprachig betitelten Werk verarbeitet die Slowenin Osojnik die Geschichte ihres Volkes, singt Volksweisen, Partisanenlieder und auch eigene Lieder und lässt uns immer wieder tief in die menschlichen Abgründe schauen. Krieg, Brutalität, Tod, Selbstmord, all das findet statt in diesen Liedern, was auch immer wieder durch eingestreute Geräusche, dem Ruf oder dem Flügelschlagen des Uhus konterkariert wird. Ganzheitliche Musik sozusagen, die erzählt mit Ton und Geräusch, mit Stimme und Bewegung, denn auch zum Tanz anregende Passagen finden sich auf dem Album.

Die Songs von "Schwarze Wasser" bilden einen Zyklus mit dokumentarischem Anspruch: Hinter jedem Lied steckt eine Geschichte – nicht ohne Grund kommt die CD mit einem 96-seitigen Buch zusammen – dennoch steht die Musik auch für sich allein. Die Sprache, die sie spricht ist eindringlich, hält sich nicht im Emotionslosen auf, will berühren, aber auch angreifen. Wenn sich in einem Lied, das sanft wie ein Wiegenlied daherkommt, plötzlich ein Abgrund auftut, gefriert unwillkürlich das Blut in den Adern. In diesem erinnert Maja Osojniks "Schwarze Wasser" ein wenig an Meret Beckers "Nachtmahr".

Maja Osojnik drängt mit einer Intensität und Direktheit nach vorn, dass Töne zu Bildern gerinnen. Dabei unterstützt wird sie durch eine Band, die sich ganz auf die Protagonistin einstellt. Und selbst wenn nicht alles klar ist, was das Textverständnis betrifft, die Dramatik spricht für sich selbst. Kein leichter Tobak, um es mal so zu sagen. Aber eine Musik zwischen Theater und Realität, zwischen Geräuschkunst und Klangwerk, die sich zu entdecken lohnt.

Carina Prange

CD/Buch: Maja Osojnik Band - "Crne Vode/Black Waters"
(Vienesse Soulfood Records VSFR 0002)

Maja Osojnik im Internet: www.majaosojnik.com

Vienesse Soulfood Records im Internet: www.myspace.com

Cover: Eva Dranaz, Jochen Fill

© jazzdimensions2006
erschienen: 19.1.2011
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