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Amsterdam Klezmer Band - "Son"

Wir mögen eigentlich kein Klezmer, sagen sie, die sieben Musiker, alles versierte Musiker, sie kommen aus ganz verschiedenen Richtungen, sie spielten Punk, Funk, Cajun, Ska, Jazz, bevor sie verschiedene Traditionen osteuropäischer Musik zu einer eigenen, heißen Mixtur verschmolzen.

Amsterdam Klezmer Band - "Son"

Ihnen geht es nicht um eine vermeintlich überlieferte, akademische Interpretation des Klezmer, diesen Klezmer mögen sie nicht, nein, sie entwickeln eine Mischung aus Klezmer, Punk, Jazz und Zigeunermusik. Wir stellen uns die großen Boulevards vor, die Straßencafes mit dem steten Wandel flanierender Menschen, zwischen ihnen eine Kapelle, eine mitreißende Musikkapelle, die versucht die umherirrenden Menschen an sich zu ziehen, wie die Sonne ihre Gestirne. Diese Stimmung, gepaart mit feinem Jazz, eigentlich ganz wenig Jazz, das macht diese Kapelle aus.

Um ihre Spontanität, ihre Direktheit in digitale Signale zu wandeln und auf eine Silberscheibe zu übertragen, bedienten sich die Musiker einer besonderen Aufnahmetechnik, man muß hinzufügen, in heutigen Zeiten besondere Aufnahmetechnik. Sie installierten lediglich zwei Mikrofone, zugegeben sehr hochwertige Mikrofone, zusätzlich ein Hilfsmikrofon, und zeichneten ihre Stücke auf einer Zweispurmaschine auf, sonst nichts. Kein Schneiden und Kopieren, keine einzeln eingespielten Spuren, auf denen Musiker ein künstliches Miteinander veranstalten, nein, sie spielten alle zusammen einfach im Studio ein Stück nach dem anderen ein.

Sie benutzen keine elektrischen Instrumente, das Spektrum reicht von Saxophonen über die Klarinette, über die Trompete, die Posaune, das Akordeon bis zu den Schlaginstrumenten, abgerundet wird das Menü durch den Kontrabass. Gesungen wird natürlich auch. Dem Einen oder Anderen mag das Eine oder Andere Lied schon mal ins Ohr gelangt sein, Anhänger der Russendisko kennen auf den zur Tanzveranstaltung begleitend erschienenen Alben auch seit Jahren schon das Titellied Son, der Traum. Das Album selbst ist bereits 2005 erschienen, den Weg auf den deutschen Markt fand es aber erst Anfang des Jahres 2007.

Abschließend möchte ich noch auf die These eingehen, die CD als Datenträger sei dem Untergang geweiht. So wie einst die Vinylscheibe zu Grabe getragen wurde. Und wir uns nicht vorstellen konnten, auf dieses haptische Vergnügen verzichten zu können, ein Plattencover zu öffnen, genüsslich die bedruckten Innenseiten zu studieren, vorsichtig die Hand in den weißen Umschlag einzuführen, mit der Handfläche den Rand des schwarzen, mit mikroskopisch kleinen Furchen überzogenen Rades zu ertasten und mit einem Finger das Mittelloch zu erfassen, um die Scheibe aus der Hülle zu ziehen, auf dem Plattenteller vorsichtig abzulegen und den Schalter der mechanischen Automatik zu bedienen. Das Knistern an den leisen Stellen schien dazuzugehören wie das Knistern eines lodernden Kaminfeuers.

Und nun der Downloadservice. Musik wird mit einem Mausklick auf den heimischen Datenträger geladen, steht samt digitalem Cover in jeder Umgebung zur Verfügung. Hier beginnt der Überlebenskampf der Silberscheibe. Die Gestalter des Albums der Amsterdam Klezmer Band hauchen einer ganzen Gattung von Tonträgern ein neues Leben ein. Ein gebundenes, kleines Büchlein begegnet uns, aufwändig gemacht, Texte zur Entstehung des Albums, der Aufnahmetechnik, Anmerkungen zu den Liedern, Fotos fehlen ebenso wenig wie die Liedtexte in Originalsprache und englischer Übersetzung. Diesen Service, nennen wir es mal Service, kann uns kein Downloadportal bieten. Andererseits gibt es genug Alben, die mit einer mager gestalteten Plastikhülle aufwarten, deren Tage sind gezählt.

Wünschenswert ist, dass die Aufmachung dieses hier besprochenen Albums Schule macht und so das Leben einer digitalen Spezies verlängert.

Maximilian Vollendorf

CD: Amsterdam Klezmer Band - "Son" Connecting (Galileo Music Communication CC50022)

AmsterdamKlezmerBand im Internet: www.amsterdamklezmerband.nl

Galileo Music im Internet: www.galileo-mc.de

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2007
erschienen: 1.2.2007
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